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Von Groß bis Klein | BSW-Anlagenbau investiert in neue Pulverbeschichtung

Metall-Werkstoffe sind das Kerngeschäft der BSW-Anlagenbau GmbH aus Everswinkel. Daraus werden u. a. Gehäuse, Blechverkleidungen, Maschinengestelle und Designbauteile gefertigt und auch beschichtet. „Die Altanlage war in die Jahre gekommen. Daraus ergab sich eine Störanfälligkeit, die hohe Instandsetzungskosten verursachte. Ersatzteile waren nur schwer verfügbar“, erklärt Christian Lange, Leiter Pulverbeschichtung. „Mit einem neuen System wollten wir auch einen flexibleren Prozessablauf realisieren, ein größeres Ofenvolumen installieren und die Produktivität steigern – und dass alles bei parallel signifikant niedrigeren Energiekosten von etwa 20 %.“

Bereits im Vorfeld der Anlagenplanung wurde in Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur NRW ein Energieaudit nach BAFA – DIN 16247-1 durchgeführt und das dort empfohlene Wärmekonzept in die Neuanlage integriert. Die Anlage sollte zudem bei laufendem Produktionsbetrieb noch vor dem Winter installiert werden. Der Rahmen war dabei von den vorhandenen Räumlichkeiten vorgegeben. Während die Altanlage weiter genutzt wurde, entstand an zweiter Stelle die neue Beschichtungsanlage. Diverse Abteilungen, Lagerflächen und die weitere Peripherie wurden parallel dazu sukzessive umgezogen. Beim Aufbau achtete der Anlagenbauer Meeh aus Wimsheim auf einen modularen Anlagenaufbau. Um für künftige Entwicklungen offen zu sein, ist es zudem möglich die Energieversorgung auf Wasserstoff umzurüsten, sollte dieser in ausreichender Menge und zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen.


Die Vorbehandlung der Werkstücke aus Aluminium, Schwarzblech oder Edelstahl erfolgt in einer automatisierten „Jumbo Clean“-Waschkabine, in automatisches und manuelles Entfetten bzw. Phosphatieren möglich ist. Die Tropfenabscheidung wird dort mittels eines doppelten Abscheidepaket umgesetzt. Nach der wässrigen Vorbehandlung gelangen die Werkstücke in einen der Öfen, die beide sowohl zur Restwasserentfernung als auch zum Einbrennen der Pulverlacke einsetzbar sind. Sie werden indirekt über einen Zweistoffbrenner beheizt. Die Werkstücke trocknen nach der Vorbehandlung 10 min bei ca. 130 °C. Die neue Pulverbeschichtung bei BSW-Anlagenbau besteht aus einer Großteile-Pulversprühkabine Typ „Jumbo-Coat 24.000“ mit Bodenabsaugung. Die Polyester- bzw. Mischpulver werden mit dem Handbeschichtungsgerät „OptiFlex Pro B“ appliziert. In einem der beiden Öfen erfolgt im Nachgang die Vernetzung der Pulverlacke bei 180°C Objekttemperatur. Bei Blechen von 2 mm Dicke ergibt dies eine Einbrenndauer von ca. 10 min. Die Steuerung der Gesamtanlage ist vollständig automatisiert.

Steigerung der Flexibilität
Im peripheren Bereich wurde eine neue Wasseraufbereitungsanlage sowie eine optimierte Brandunterdrückungsanlage installiert. Die benötigten Traversen für das Heben und Senken der bis zu 3500 mm x 2000 mm x 1200 mm (H x B x L) und bis zu einer Tonne schweren Teile ist nun motorisiert möglich. „Durch die neue Anlage haben wir deutlich an Flexibilität gewonnen. So können wir nun parallel Waschen, Trocknen, Pulvern und Einbrennen. Die Arbeitsplätze sind deutlich ergonomischer gestaltet und die Mitarbeiter spürbar zufriedener“, so Christian Lange.
Zusätzlich zur Optimierung der Pulverbeschichtung hat BSW-Anlagenbau in weitere Nachhaltigkeitskomponenten investiert. So erzeugt eine Photovoltaikanlage nun grünen Strom – in erster Linie für den Eigenbedarf des Unternehmens. Der Stromerzeuger bietet eine Peak-Leistung von 410 kW, besteht aus 988 Modulen und bedeckt rund 2.000 m2 der Firmensitzdachfläche.


Mehr Nachhaltigkeit
Dafür, dass die Photovoltaikanlage überhaupt in Betrieb genommen werden konnte, mussten jedoch eine Vielzahl an bürokratischen Hürden überwunden werden, was die Verantwortlichen Zeit und Energie kostete. Ähnliche Hemmnisse führten dazu, dass das ursprünglich vorgesehene Blockheizkraftwerk nicht in das Anlagenkonzept integriert wurde. Ein weiterer Baustein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit war die Umstellung der Beleuchtung auf LED. „Die Mitarbeiter freuen sich über einen deutlich besser ausgeleuchteten Arbeitsbereich. Die gesteigerte Helligkeit erleichtert unter anderem die visuellen Prüfungen und erhöht so unsere Produktivität,“ erklärt Christian Lange. „Und die Beleuchtung ist dabei energieeffizienter. Allein durch diese Umrüstung sparen wir 43 Tonnen CO₂ im Jahr ein.“ Bei BSW-Anlagenbau ist man zufrieden: Trotz der typischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Neuanlage wie Beeinträchtigung der Produktionsflächen und Verkehrswege, dem temporären Entfall von Lagerflächen und der Notwendigkeit die benötigten Schulungen der Mitarbeiter in den laufenden Arbeitsalltag zu integrieren, konnte der angepeilte Zeitplan eingehalten werden. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,5 Mio. Euro für diese und weitere nachhaltig wirkende Maßnahmen wird nicht nur die Umwelt entlastet, sondern auch langfristig der Energiebedarf des Unternehmens gesenkt. Durch die Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung wird eine jährliche CO₂-Einsparung von insgesamt rund 260 Tonnen erreicht, bei gleichzeitig geringeren Energiekosten und geringerer Abhängigkeit von den Strompreisen.

 

© Vincentz Network GmbH & Co. KG | Besser Lackieren | Ausgabe 01/2024 | Dr. Astrid Günther

25. Januar 2024